Nachtrag 16.-20.03.: Vier Ketscher bei frühlingshaften Temperaturen in Frankfurt gelandet

Nachdem wir wieder in Santiago angekommen waren, besuchten Dieter und Helga Dieters Arbeitgeber und Herbert und ich bummelten die Avenida O’Higgins entlang, hörten auf dem Plaza de Armas den Predigern zu und holten uns noch ein leckeres Eis. Kein Tricolore sondern ein Bicolore; da die Eisportionen doch sehr groß ausfallen.

 

Am Donnerstag 17.3. fuhren wir mit dem Bus 1 ½ Stunden nach Valparaiso. Mit einem der legendären Schrägaufzüge / Ascensores fuhren wir hinauf um den tollen Blick über den Hafen und die Stadt zu genießen. Der Hafen faszinierte Dieter und Herbert  und sie beobachteten wie die Containerschiffe entladen wurden.

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Helga und ich mussten schon all unsere Überzeugungskraft aufbringen damit sie ihren Blick von Container-, Marine- und Luxusschiffen lösten und mit uns per Bus und wilder Taxifahrt zum Haus von Pablo Neruda in der Calle Ferrari 692 zu fahren. Jetzt waren Helga und ich begeistert vom Haus und von dem Blick über die Stadt und den Hafen.

Wir wären gerne noch länger in Valparaiso geblieben mussten aber wieder mit dem Bus zurück.

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Am Freitag fuhren wir mit der Metro zur Estacion Mapocho. Wir gingen hinüber zum Blumen- und Gemüsemarkt „La Vega Chica.“

Da gerade Mittagszeit war und in den Markthallen auch kleine Imbissstände sind, wurden wir von allen Seiten angesprochen ob wir nicht essen wollten. Herbert geriet fast in Panik ob der vielen Frauen die ihn da bedrängten. Wir suchten dann doch ein ruhigeres Lokal im Künstlerviertel „ Bellavista“ auf erledigten noch unsere letzten Einkäufe und waren schon ein wenig traurig, da dies unser letzter Tag war.

 

Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen. Monika ist extra noch ins Kolpinghaus gekommen, um sich von uns zu verabschieden.

Mit dem Versprechen sich in Deutschland wieder zu sehen, einer letzten Umarmung, sind wir doch etwas wehmütig ins Taxi eingestiegen .

 

Ein letztes Stück Torte im Flughafen (an jedem Ort gibt’s eine Tort`) und um 14.15 hob sich unsere Maschine in den Himmel. Ein letzter Blick auf die Anden und dann gab’s nur noch Wolken, Wolken …..

Bei unserer Ankunft in Sao Paula nach 4 Stunden regnete es in Strömen. Das lange warten in der Abflughalle machte uns doch etwas müde. Unser Weiterflug nach Frankfurt startete dann auch noch mit etwas Verspätung und nach dem Abendessen im Flugzeug so gegen Mitternacht versuchten wir etwas zu schlafen.

Gott sei  Dank nach 11 Stunden landeten wir in Frankfurt, wir konnten unsere Glieder wieder bewegen. 

Welch ein Jubel mit dem uns unsere Kinder und Enkelkinder empfingen. ´

 

Schön ist es wieder zu Hause zu sein.

Drei Wochen voller herzlicher und emotionaler Begegnungen und in einer faszinierenden Landschaft sind nun zu Ende.

 Adios Chile.  Muchas gracias por todo.

20. März 2011    Irene

Nachtrag zum 07. März: ‘Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist.’ A. Kolping

Den Tag begannen wir mit einem gemeinsamen Gottesdienst, den Padre Walter in deutscher und kastilianischer Sprache in der Hauskapelle des Casa Kolping zelebrierte.

Grund der zwei Sprachen war die Reunion mit dem Directorium National Kolping Chile. Der Vorsitzende Don Oskar begrüßte die anwesenden Vorsitzenden und unsere Delegation aus Deutschland in der Stadt Villarica, in der Kolping Chile die ersten Schritte machte und in deren Kathedrale eine Kolping-Reliquie zu finden ist. Er drückte seine Freude über den Besuch unserer Delegation in seinem Lande aus. In kurzen Worten umriss er die Arbeit des Kolpingverbandes in der Vergangenheit. Die Visionen für die Zukunft lauten: Ein gutes Bild Chiles im Ausland schaffen, nationale Einigkeit innerhalb des Kolpingwerkes, Stärkung der Kolpingjugend, als Quelle der Erneuerung.

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Markus Essig übermittelte die Grüße aus Freiburg in einem Videoclip mit Kerzenweihe und stellte unsere Diözese mit ihren Strukturen vor. Er betonte, dass die Beziehungen zwischen Freiburg über lange Jahre gewachsen sind. Einzelne Menschen wurden zu einem Gesicht für Viele. 

Juan Carlos  betonte wie wichtig es ist, dass jeder, jedem geholfen hat und dies einer der wichtigsten Botschaften Adolph Kolping ist. Gerade die schnelle Hilfe von Kolping Freiburg nach dem Erdbeben hat gezeigt: Niemand ist allein und wie wichtig es ist, bei Kolping zu sein.

Für die Zukunft gilt es sich einzustellen, wie man sich bei künftigen Katastrophen vorbereiten muss. Dies gilt für den Wiederaufbau der Häuser und der Energieversorgung.

Mit Blick auf die Romreise betonte Markus Essig nochmals die Einladung unserer Diözese nach Freiburg. Die Anzahl der Besucher aus Chile und die Einzelheiten des Reiseablaufes gilt es noch abzustimmen.

Wie wir  in Chile offene Türen gefunden haben, werden auch den Chilenen  die Türen in unseren Kolpingfamilien offenstellen. Alle sind herzlich willkommen.

 Juan Carlos berichtete über ein Pilotprojekt zur Energieeinsparung durch den Austausch der Straßenbeleuchtung durch Sonnenenergie. Die Kosten für so ein ähnliches Projekt könnte Kolping Chile übernehmen und möchte damit das Bewusstsein für die Klimakatastrophe auch im eigenen Land wecken.

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Die Kolpingsfamilie Ketsch, als stärkste Fraktion der Delegation, übergab eine Spende an Juan Carlos zur Unterstützung weiterer wichtiger Projekte. Alle vier Teilnehmer sind zum ersten Mal Chile und sind überwältigt dieser wunderschönen, aber auch gefährlichen Natur.

 Die Menschen, die wir getroffenen haben, zeigen Mut, Tatkraft und Gottvertrauen, also genau das, was auf unseren T-Shirts zu lesen ist.

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Das erste Grundstück des chilenischen Kolpingwerkes

Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Huincacara. Dieser Name stammt aus der Mapuche-Sprache und bedeutet „Ausländer“. Die Mapuche bezeichneten damit die Spanier, die sich um den Vulkan angesiedelt haben. Dies hätten Mapuches niemals getan, 1949 ist der Vulkan ausgebrochen und hat die gesamte Region vernichtet. Auf unserer Fahrt begleitete uns Pater Walter, auf dessen Anraten dieses Gelände von 45 ha 1983 gekauft wurde. Ihm wurde übrigens  am 29.09.2010 die höchste Auszeichnung der chilenischen Abgeordnetenkammer für seine Verdienste im Lande verliehen.

 Viele Geschichten aus der damaligen Zeit hat er uns auf der Fahrt und vor Ort erzählt.

Stundenlang könnte man ihm zuhören.

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Das Stück Land das beim Kauf 1983 noch nicht nutzbar war, zeigte sich nach der Arbeit von vielen Kolpingschwestern und –brüdern heute als kleines Naturparadies mit eigener Quelle und unzähligen neu angepflanzten Baumarten aus allen Ländern der Erde. Es ist ein Domizil der Erholung für Jugendliche entstanden, das sehr rege genutzt wird und immer wieder mit Infrastruktur ergänzt wird.

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Cono Sur und assado

In einer Präsentation von Ingrid Jara Llancafil, Direktorin Area Juvenil wurde uns die Jugendarbeit von Kolping Chile vorgestellt. Die Hauptarbeit liegt derzeit in der Vorbereitung des 3. Internationalen Jugendtreffen der Cono Sur-Länder mit ihren Partnern 2012 in Chile.

Gerade in der Jungendarbeit ist die Ausbildung eine der wichtigsten Aufgabe des Kolpingwerkes. Hier ist die die Kolpingfamilie Ketsch mit einem Pilotprojekt zur Finanzierung einer Ausbildungspatenschaft Vorreiter gewesen.

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Ein Asado, ein chilenisches Grillfest bildete den Abschluss dieses Tages. In einer Erdgrube wurden Lamm und Rindfleisch auf Holzspießen köstlich gebraten und gemeinsam verzehrt. Ein wunderbarer Abschluss eines informativen und schönen Tages.


7. März 2011          Helga Rey

Unerwartete Begegnungen

Ganz geruhsam sollte der letzte volle Tag in Linares werden. Eben ein Freitag. Die Gäste für den Abend waren bereits eingeladen. Eine biblische Zahl hatten wir erreicht. Zwölf sollten es sein. Also hieß es am späten Vormittag einkaufen. Antonia wollte ausschlafen und mit ihrer Gastfamilie frühstücken. Ich dagegen besuchte wie üblich um 8:00 Uhr die tägliche Messe gleich nebenan in der Seitenkapelle von San Antonio de Padua. Raul stand heute der Eucharistie vor. Danach schnappte ich mir das Messbuch, eine bereits approbierte Übersetzung von 2009 der neuen und umstrittenen lateinischen Fassung, um die Textteile für die Diakone herauszuschreiben. Dabei kam ich mit Raul in eine ausführliche Diskussion um die Situation der Kirche, ihrer Leitung in Rom und den Problemen in Chile und bei uns. Trotz meiner mangelnden Vokabelkenntnisse und meines eher bescheidenen Ausdrucks war es ein unerwartet lebendiges und interessantes Gespräch.

Der Einkauf für Käsespätzle und ‚deutschen‘ Salat‘ sowie die Auswahl aus einer herbstlich überfließenden Fruchtauswahl war schnell besorgt. Die anderen Einkaufswünsche dagegen dauerten länger: Matetee, Manchar, Pisco, Dulces und Wein.

 

Wieder im Pfarrhaus angekommen, wollten wir gleich loslegen mit Schnippeln und Salatwaschen. Doch ‚tranquilo‘ zuerst noch was von der superfeinen Pasta von Raul kosten. Doch dann mit Volldampf an die Vorbereitung des Abendessens, schließlich hatte uns Ibar zum Treffen der Senioren in der Pfarrei um 15:30 gebeten.

Die alten Menschen beten schon im fünften Gesetzle den Rosenkranz als wir dazu stießen. Schon hatte ich die Fantasie, dass das ein recht gewöhnlicher Nachmittag werden könnte. Doch weit gefehlt. Es ging noch richtig die Post ab. Ein blinder Bewohner des Altenheims, der am seinem Stock nur mühsam vorwärtskam, explodierte geradezu, als es die Gitarre in den Händen hielt und das Headset seine kräftige und soulige Stimme verstärkte.

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Er wollte gar nicht mehr aufhören. Doch weitere Liedvorträge folgten. Ein jüngerer Mann trug spirituelle Lieder vor. Señora Rosa entwickelte improvisiert zu rhythmischen aber gleichförmigen Gitarrenschlägen einen ebenfalls gleichförmigen Sing-Sang, der bei den Zuhörenden begeisterten Applaus hervorrief. Don Juan trug dazwischen selbst Gedichtetes vor. Und schließlich folgten zwei Runden Queca (chilenischer Nationaltanz) stilsicher und formvollendet von über 80jährigen vorgetragen.

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Jetzt tobte der Saal, der beim Rosenkranz dagegen noch geradezu unbeteiligt erschien. Natürlich gab es zwischendrin Teesito und in Öl ausgebackenes Fladenbrot mit Knoblauch gewürztem Tomatensalat und Biskuit-Löffel. Nachdem ich schon Begrüßungsworte sagen durfte, unverdient ein Weinpräsent erhielt, bat mich mein Diakonskollege Ibar den abschließenden Segen zu sprechen. Und das Gemeinderadio bat mich zum Interview, das zum Glück Antonia gekonnt übersetzte.

Jetzt war es aber höchste Zeit für das ‚Once‘ (Vesper) um 18:00 Uhr mit den Mitgliedern im Diözesanvorstand und Nationalvorstand von Kolping, Gema und Alvaro zusammen mit Waldo, der Diözesanpräses und der Gemeindepfarrer von den Beiden ist. Sie hatten das Bedürfnis mit uns über die Situation der Zusammenarbeit der Kolpingsfamilien und der Kolpingjugend in Linares zu sprechen. Es wurde ein überaus offenes und spannendes Gespräch, das zeigte wie gleich oft die Probleme der Zusammenarbeit von Menschen im Kolpingwerk egal wo auf der Welt sind. Schließlich wurde klar, dass es dringend einen direkten Kontakt zwischen den Verantwortlichen der Kolpingjugend und der sieben Kolpingsfamilien in Linares braucht. Das Gespräch sollte von einem Moderotor oder Mediator geleitet werden. Ziel soll sein die Kooperation auf neue Füße zu stellen und auch die Nutzung des neuen Casa Kolping mit oder durch die Kolpingjugend zu klären.

 

Politik im Internationalen Kolpingwerk

Auch machten wir ein bisschen Politik im Hinblick auf die anstehende Kandidatensuche für das Amt des Generalpräses. Dabei wurde auch klar, dass Waldo die Anforderzungen an dieses Amt erfüllen könnte aber sich das leider gar nicht vorstellen kann. So blieb es bei der Fantasie, dass der schweizerische und mexikanische Nationalpräses mögliche Kandidaten sein könnten.

 

Zum Abschied fragte uns Gema, ob wir noch Platz im Koffer hätten und schenkte uns noch eine sicher drei Liter fassende Karaffe aus dunklem gebrannten Ton, ein Beispiel aus der reichhaltigen Produktpalette ihrer Kolpingsfamilie.

Danach nix wie Heim, denn die Gäste wollten um 21.30 Uhr eintreffen. Wir mussten noch das Dressing mixen, den Tisch decken und vor allem die Käsespätzle kochen. Da auch Raul erst mit erheblicher Verspätung eintraf, machte es nichts, dass wir erst um 22:15 anfingen zu essen. Auch waren wir nur zu siebt, da sich der Kreis aus unterschiedlichsten Gründen an diesem, Abend doch reduzierte. Aber sieben, das ist auch eine biblische Zahl. Es wurde ein schöner Abend mit unserer Hausgemeinschaft und Antonias chilenischen Eltern, Theresa und Pepe. Das Essen ‚aleman‘ wurde mit bayrischem Paulaner-Bier und einem Rotwein mit dem vielsagenden Namen „Schwarzes Schaf“ bestens begleitet.

Um Mitternacht startete dann Antonia durch, um mit ihrer Gastschwester und Freundinnen auszurücken, um zu erleben, wie sich das anfühlt in den Diskotheken von Linares die ‚reina de noche‘ in dieser besonders vollen Vollmondnacht zu sein. Entsprechend zerknittert sah sie am nächsten Morgen aus.

 

Der Samstag war dann der erhoffte gemütliche Tag. Ausschlafen, gemütliches Packen der Koffer, Mittagessen mit Salat, Käsespätzle und Fruchtsalat mit ‚helado artesenal‘.

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Auf dem Heimweg

Und schon war es nachmittags um 14:45 Uhr. Wir starteten begleitet von Waldo, Jorge und Gelsemina zum Busterminal. Um 15:10 Uhr ging unser Linatal-Bus nach Santiago. Wir hatten Plätze oben im Doppeldeckerbus und dort ganz vorne. Und es lohnte sich. Bei stahlenden Sonnenschein wurde die Sicht in Richtung Santiago immer klarer. Die Andenkette zeigte sich in ihrer abwechslungsreichen Strukturierung und leuchtete uns mit Schneefeldern auf den höchsten Gipfeln entgegen. Die Obstgärten rechts und links der Ruta 5 und der Blick in die Küstenkordiliere zweigten uns den Reichtum dieser zentralen Zone Chiles. Und schließlich eröffnete sich uns ein sagenhaft klarer Blick über die Millionenmetropole in ihrer ganzen riesigen Ausdehnung, mit der Skyline aus unzähligen neuen Wolkenkratzer aber auch mit den aus Palletten und sonstigen Holzresten zusammengezimmerten Verschlägen, in denen oft ganze Großfamilien hausen.

Im Haus von Juan Carlos und Lucia verbrachten wir mit Monica einen gemütlichen Abend auf der Terrasse bei einem guten Vesper, Rotwein und Tee aus den im Garten wachsenden Blättern des Cetrone-Baumes. Stolz zeigte uns die Hausherrin dann auch den gerade abgeschlossen Anbaus eines zweiten Stockwerkes des netten Hauses im besseren Stadtviertel La Reina. Nachdem die Metro nicht mehr fuhr, rasten wir mit einem Taxi durch die hubbeligen Straßen Santiagos ins Kolping-Hotel zurück. Und auf den Straßen Santiagos passierten wir eine abgesperrte Stelle, wo unter dem unruhigen Geblinke der Polizeiautos eine Leiche abgedeckt war.

Dennoch hatten wir eine gute Nacht.

 

Auf nach Hause

Um 11.00 Uhr holt uns Mario, ein Freund von Waldo und Stadtplaner in Santiago ab. Er fährt uns an den Flughafen. An jeder Ecke und an jeder Brücke sind Polizistinnen und Polizisten postieret. Der mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, wird an diesem Tag noch erwartet. Mit Spannung streifen wir durch den Flughafen, vielleicht schwebt die Ais Force Number One ja noch ein solange wir da sind. Aber es ist nichts zu sehen. Also hauen wir die letzten chilenischen Pesos raus. Jetzt sitzen wir im Flugzeug nach Sa Paulo und bereiten uns auf Deutschland vor.

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Eine tolle Reise mit vielen Eindrücken, Erfahrungen und Eindrücken geht zu Ende. Wir sind dankbar und auch ein wenig müde.

 

Der Rückflug verlief ruhig und ermöglichte uns genügend Schlafeinheiten. In stahlenden Sonnenschein und doch mehr als 10 Grad begüßte uns die Heimat in Frankfurt. Nun bringt uns der ICE pünktlich nach Hause.

 Und wehmütig sagen wir: Chao Chile.

 21.03.2011 Markus Essig

Camping im Nationalpark Siete Tazas

Für die ganz verrückten Kajaker dieser Welt sind sie ein total abgefahrenes Revier: Die ‚Siete Tazas‘ – die Sieben Tassen. Doch für uns beide sind sie ein richtiges aber ebefalls spektaktuläres Touri-Ausflugsziel. Der gletschergespeiste Rio Claro frisst sich auf seinem Weg durch den Rio Maule durch einen Balsalt-Riegel. Dank glazialer Urkräfte hat er sieben nacheinender runde Pools im schwarzen Gestein geschaffen: Tassen eben.

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Darauf folgt eine spiralförmige Verengung in einen sehr schmalen tiefen Felskanal, an dessen dunklem Ende, ein Wasserfall so 15 -20 Meter in den riesigen Tumpf fällt.

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Einmal mit dem Kajak in der ersten Tasse dürfte der Wasserfall gebucht sein. Da es sehr trocken ist, so denke ich, könnte ich wohl noch in der sechsten Tasse rauskommen. Zum Glück fehlen die Paddelkameraden und das Bootsmaterial.

Weiter führt die Schotterpiste dem Rio Claro entlang bis zur Basisstation des Parque National.

Hier werden wir auf einem Campingplatz die Nacht im ausgeliehenen Zelt, auf dicken aufgeblasenen Matratzen und in Schlafsäcken verbringen. Doch zuvor ist Zeit um die schöne Gegend zu erkunden, die letzte Sonnenstunde am Ufer des Rio Claro mit Buch und dösend zu verbringen. Dann ein feines „Lomo con Papa Fritas“ in der einzigen Osteria weit und breit und schon rufen die tollen chinesischen Liegeflächen. Doch wir können noch nicht in den Schlafsack kriechen, da der fast runde Mond taghell die atemberaubende Anden-Kullise erleuchtet. Zeitgleich treten immer mehr Sterne am klaren Nachthimmel hervor und leuchten millionenfach um die Wette. Mit einem Glas ‚oveja negra‘ in der Hand werden wir ganz ruhig und dankbar für diesen Moment.

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Die Nacht ist kalt und die Ausrüstung nicht ganz so gewohnt. Aber die Fleecedecken aus dem Flieger und vor allem die tollen Schals aus der Familia Kolping in Pichidegua leisten uns gute Dienste.

Am Morgen dann wird es rasch hell und um 8:30 Uhr erscheint auch die Sonne. Sofort wird es warm und wir können gut frühstücken. Heute echt chilenisch: Die mit Expressogeschmack versetzte Milch ist äußerst cremig und nicht minder süß. Die Trauben haben noch mehr Zucker zu bieten, das Weißbrot ist noch frisch aber zäh. Und trotzdem schmeckt es uns. Schnell ist zusammen geräumt, denn wir haben eine Wanderung bergauf in den Nationalpark geplant. Dazu müssen wir uns bei den Parkwächtern registrieren und eine Notrufnummer hinterlassen. Heute Morgen brennt nun auch Licht, schließlich läuft das Solarpanell auf vollen Touren.

Die Tour bietet atemberaubende Ausblicke besonders aber fasziniert uns der Wald. Solange wir in östlicher Richtung ganz am Rand eines Nordhanges aufsteigen, ist der Wald sehr dicht und lässt fast keinen Ausblick zu. Ein richtiger Märchenwald für Erwachsene. Dann wechseln wir in südlicher Richtung wieder dem Rio Claro zu. Hier in der prallen Sonne wechselt die Vegetation total. Der Wald lichtet sich und besteht hauptsächlich aus uralten Andenpinien.

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Schließlich gibt der Wald den Blick auch frei auf die nahen Anhöhen und entfernten eisverhüllten Vulkane. Der Rio Claro hat sich fast durchgehend ins das grau-weiße Grundgestein in Niedrigklammen eingegraben. An einem Zufluss von Norden her weitet sich das Tal etwas und ein Sandstrand gibt den Zugang frei. Schöne Badegumpen laden uns ein. Schnell sind die Kleider vom Leib aber das Wasser ist sehr, sehr kalt. Doch wir genießen die Abkühlung und fragen uns, wieso diese schöne Stelle den angstmachenden Namen ‚mala cara‘ trägt.

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Hätten wir mehr Zeit und eine bessere Ausrüstung würden wir gerne noch bis auf die Hochebene vorstoßen, doch unser Weg führt uns zurück in die Zivilisation und fahren über Schotterpisten, eine toll ausgebaute Landstraße und schließlich wieder die Ruta 5 zurück nach Linares.

Heute Abend werden wir noch die Eltern von Cony treffen, die seit August 2010 in Lahr-Sulz ein einjähriges FSJ ableistet.

 

17.03.2011 Antonia y Markus

Von der Wueste in die Metropole

Im Sonnenaufgang verliessen wir San Pedro und die Taeler des Mondes, Marses und des Todes. Die Freude, die atemberaubende Bergwelt der Anden noch einmal an uns vorueberziehen zu lassen, wurde durch dichte, weisse Wolken getruebt. Einzelne Spitzen groesser als 6000m, blitzten mit ihren schneebedeckten Gipfeln durch die Wolkendecke hindurch.

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Welch ein Schock, in Santiago gab‘s nur Smog.
Casa Kolping in Santiago war wieder unser Ziel.
Einhellige Meinung nach ausfuehrlichem Stadtbummel: “Ach wie schmerzen unsere Fuesse, viel schlimmer noch als in der Wueste.”
Tag 1 in Santiago

Es gruessen aus der Metropole Helga und Dieter y Herbert und Irene

Mittwoch, 16. Maerz 2011

Mit dem Kajak auf dem Rio Loncomilla

Wasser ‚como un taza de lece‘ – wie in einer Tasse Milch -, eine tolle Landschaft, ein breitausladendes und dann wieder felsenbewährtes Flussbett und eine Instructor namens Victor des Centro de Entramiento Regional Canotaje San Javier machen den perfekten Kajakspass trotz extrem niedrigem Wasserstand im ganzen Land möglich. Wir treffen uns am Bootshaus in San Javier, um von dort die Boote flussaufwärts zu speditieren. Jorge nimmt das Auto mit zurück. Antonia und ich nutzen einen alten, laminierten und etwas mürben K 2 und treiben ihn mit den Carbon-Rennpaddeln zunächst flussaufwärts, um dann zum Bootshaus zurück zu paddeln. Es ist eine schöne Tour in bestem Spätnachmittagslicht durch das breite fruchtbare Tal. Der Rio Loncomilla fließt gemächlich dahin, denn nach der nächsten Schleife mündet er in den großen Rio Maule. Eine kleine Stromschnelle lässt aber erahnen wie furchterregend das Getöse und Blubbern bei Hochwasser sein muss, was uns Victor auch bestätigte.

Da Jorge deutlich vor uns am Bootshaus war ist unsere Ankunft fotografisch bestens dokumentiert, so dass wir hier auch ein ‚Beweisfoto‘ hinterlassen.

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Ein abschließendes Helado artisinal – offenes Eis runden einen wunderschönen Nachmittag mit Jorge ab.

Am Abend erwartet uns der Pfarrgemeinderat zu einem Essen. Die Kolping-Frauen haben Beinscheiben vom Rind im Ofen zubereitet und köstliche Salate gerichtet. Es schmeckte super rico und wir hatte anregende Gespräche mit den Verantwortlichen der Pfarrei Antonia de Padua im Huapi / Linares, die uns zu einer Heimat geworden ist.

 

15.03.2011

Antonia y Markus

Brodelndes Wasser und Dampfschwaden: “Die El Tatio - Geysire”

Nach einem entspannten Montag, weckte Dieter den Rest der Gruppe mit einem frohen Lied “Im Fruehtau zu Berge”. Bereits um 3:30 Uhr standen wir fix und fertig unter dem Sternenhimmel im Hof unseres Hostals und warteten auf unseren Guide. Um 4:00 Uhr ging es endlich los. In stockdunkler Nacht, auf Schotterstrassen, durch Furten und engen Serpentinen fuehrte der Weg auf 4300m. Das Tatio-Geysire-Feld war unser Ziel.

Ohne unsere Taschenlampen und dicker Winterkleidung (minus 10 Grad) waeren wir verloren gewesen. Aus den Fumarolen zischte, blubberte und dampfte es gespenstisch in den noch dunklen Himmel. Ueber den umliegenden Vulkanen (lauter 6000er) stieg langsam die Morgensonne auf. Das Geysire - Feld entpuppte sich als dampfender Hexenkessel in einem fuer uns ueberschaubaren Ausmass. Die Dampf- und Nebelschwaden zogen ueber uns in den fahlen Morgenhimmel. Vorsichtig ertasteten wir am Rande der Fumarolen das kochend heisse Wasser. In einzelnen, kleinen, dampfenden Erdloechern wurden Milch- und Kakaobeutel fuer das Fruehstueck erwaermt.

Unser Guide brachte uns auf eine kleine Anhoehe, um dort die ersten warmen Sonnenstrahlen waehrend unseres gemeinsamen Fruehstuecks geniessen zu koennen.

Vincanas und Vizcachas beobachteten uns dabei. Erstmals sahen wir auch die Yareta-Pflanze, die erst ab 4000 m gedeiht und im Jahr nicht mehr als einen Millimeter waechst. Ihre dunkelgruenen Dolden erscheinen weich wie Moos, sind aber in Wirklichkeit steinhart.

Wer Lust hatte, konnte in einer 38 Grad heissen Termallagune baden. Die Aussentemperatur hielt uns jedoch davon ab.

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Als Hoehepunkt brachte uns der Guide zu aktiven Vulkanquellen. Brodelnder, grollender, dunkelbrauner schwefelhaltiger Schlamm schoss Meterhoch aus mehreren Kratern. Die Urgewalt hoerten und spuerten wir mit all ihrer Macht. Die duenne und schwefelhaltige Luft liess uns bei jeder Bewegung immer kurzatmiger werden.

Auf der Rueckfahrt bestaunten wir immer wieder die einzigartige Flora, Fauna und Bergkulisse dieser Gegend.

Und jetzt haben wir Hunger!!!!!

Tag 4 in der Atacamawueste. P.S.: Auch hier gibt es Torten

Es gruessen Helga und Dieter  -  Herbert und Irene

14.03.2011

Lagunen und Flamingos

Tagesplanung beim Fruehstueck: Entschluss um 12:00 Uhr den Ausflug zu den Vulkanen und Lagunen Miscanti und Miniques mitzumachen.
Zuvor besuchten wir unseren Opa im Tante Emma-Laden. Wasser kaufen hiess die Devise.
Im Bus fuehrte uns der Weg ueber die staendig steigende Strasse nach Toconao (Minenarbeiterstadt). Mitten auf der B 23 hielt unser Guide an erzaehlte uns, dass hier ein starkes Magnetfeld strahlt. Wollt ihr den Beweiss? Wir glaubten ihm nicht, dass das Magnetfeld den mit 12 Personen besetzten Bus ohne Motorkraft rueckwaerts aus der Senke zieht. Wir fuhren hinab, er stellte den Motor ab und wie von Zauberhand wurde unser Auto rueckwaerts hochgezogen. Wir waren platt! Naechster Stopp war am suedlichen Wendekreis (Wendekreis des Steinbocks) Hier hinter ließen wir ein kleines Steingebilde, denn nach dem Glauben der Inka kehrt man dadurch an diesen Ort wieder zurueck. In Camar auf 3200 m gab es ein leckeres Mittagessen. Die Luft wurde duenner und Dieter nahm sein zweites Coca zu sich (ein Naturmittel der Indios gegen Hoehenkoller).
Die nun beginnende Schotterstrasse fuehrte uns ueber Serpentinen durch ein Lavafeld. Begleitet wurden wir von Vicunas (kleinste Lama-Art) auf 4200 m zu den Lagunen Miscanti und Miniques, die unterhalb der beiden Vulkanen mit gleichen Namen 5622m und 5910m liegen.

Welch ein Anblick! Das Tiefblau der Lagunen, die schneebedeckten Gipfel der Vulkane, die Farbvielfalt der Wuestenfauna und am Rande der Lagune glitzerten die weissen Salzkristalle.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang fuehrte uns der Weg hinunter zur Salar de Atacama 2300m. Dieser erstreckt sich ueber ein Flaeche von 3000 km². Die Jagd mit dem Foto auf die dort lebenden Flamingos begann. Wir stellten fest, dass die hier lebenden Flamingos ‚Kolpinger‘ sein muessen, tragen sie doch in ihrem Federkleid die Farben orange und schwarz. Gerne haetten wir ihnen unsere Pins angesteckt, doch wir durften den Weg nicht verlassen.

Der Sonnenuntergang war fantastisch, die Salzwueste glitzerte in allen Farben.
Ueberwaeltigt von dieser tollen Natur traten wir den Heimweg an.

 

Eiskalte Melone, warme Trauben, geschmackloser Joghurt, weiche Bananen, trockene Kekse - das war unser Abendbrot.

Keine Angst, es geht uns sehr gut.

 

Tag 3 in der Atacamwueste
Herzliche Gruesse  Helga und Dieter - Herbert und Irene

Sonntag 13. Maerz 2011

Spuren im Sand

Wir verbrachten die erste Nacht in unserer gemuelichen Ferienwohnung in einem tipical Lehmbauhaus. Wir hatten immer fliesend warmes Wasser!!
Nach einem reichhaltigen Fruestueck machten wir uns auf den Weg ins Zentrum von San Pedro. Schon um 11:00 Uhr morgens brannte die heisse Sonne vom blauen Wuestenhimmel.
Von weitem hoerten wir Musik und sahen eine grosse Menschenmenge. Es war der Zieleinlauf des “Atacamalaufes 2011″ den Laeufer aus aller Welt erreicht haben. (4 Kontinente - zu je 6 Etappen - je 260 km). Waehrend der Stadterkundung versuchten wir unsere erste Tour zu planen.

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Kurz entschlossen starteten wir eine Stunde spaeter ins Valle de la Luna. Nicht ahnend was uns jetzt erwartet.
Nach einer Schotterfahrt und einem kurzen, steilen Anstieg erreichten wir etwas kurzatmig ein Hochplateau. Es oeffnete sich ein toller Blick in eine bizarre Fels- und Sandlandschaft. Anstatt des von vermuteten Rueckwegs zum Bus, forderte unser Guide uns auf die Schuhe auszuziehen, die Schnuersenkel zu verknoten und die Schuhe um den Hals zu haengen. Wir standen auf dem Kamm einer 300m hohen Sandduene. Jeder stuerzte durch den warmen, weichen Duenensand im Freestyle den Hang mit Gejohle hinab. Welch ein Genuss! Schade, dass ihr uns nicht beobachten konntet.

Naechster Stopp war die Wanderung ins Valle de la Luna. Ein steiler Weg fuehrte uns zum hoechsten Punkt einer Sand- und Felsduene. Der Sonnenuntergang verwandelte die Wuestenerde mit den schoensten Farbnuancen. Ein sensationeller Anblick! Still standen wir und staunten. Das fahle Licht des Mondes begleitete uns auf dem Weg zurueck zum Parkplatz, Wir glaubten das war‘s. Aber weit gefehlt.

Unser Guide versicherte sich nochmals, ob wir auch alle Taschenlampen dabei haetten.

Er fuhr mit uns zu einem einsamen Punkt in der Dunkelheit.

Ein kurzer Weg durch eine schmale Schlucht fuehrte uns in eine Salzgrotte. Gebueckt, schraeg, auf Knien und allen Vieren krochen wir einen steilen Weg in der Grotte empor. Gegenseitig sicherten wir uns den Weg mit unseren Taschenlampen. An manchen Stellen sahen wir durch die Felsendecke einzelne Sterne blitzen. Voellig fertig erreichten wir den Ausgang der Grotte. Ueber uns oeffnete sich der Sternenhimmel der suedlichen Erdhalbkugel. Alle Anstregungen waren auf einmal verflogen. Sternbilder, die wir nur aus Buechern kennen, waren uns zum Greifen nah. Erstmals sahen wir das Kreuz des Suedens. Dieser Anblick musste gefeiert werden und das taten wir bei einem gemuetlichen Abendessen (22:30 Uhr). Dass wir vollkommen verstaubt und voller Sand waren, hat uns dabei nicht gestoert.

 

Erste Verletzungen - Herbert Fuss, Dieter Kopf - wurden im Haus versorgt.

 

Tag 2 in der Atacamawueste
Es gruessen Euch

Helga u. Dieter - Herbert u. Irene

Samstag 12. Maerz 2011

Un grand fiesta

Es ist kaum zu glauben: Antonia und ich feiern mit Marta – Pete und Felipe Hochzeit. Vor zwei Wochen wussten wir nur, dass die beiden heiraten. Pete kennen wir von einigen Begegnungen, zwei davon bei uns in Freiburg. Einmal hat sie bei uns zu Hause übernachtet. Als wir sie und ihren novio Felipe bei ihrem Traupfarrer Padre Ernesto am vorletzten Sonntag getroffen haben, hatten wir gesagt, dass wir zur Trauung in die Kirche kommen würden. Ein paar Tage später rief die Braut dann an und hat uns zum Fest eingeladen.

Wir freuten uns sehr darüber und waren gespannt. Nun also war es 18:30 Uhr und wir trafen wie die anderen Gäste im Instituto, dem ehemaligen Colegio von Pete ein. Dort trafen wir einige Bekannte der Kolpingjugend Linares, Ingrid und Jorge aus Villarica, Bel (Monica) aus Santiago, Jose Miguel mit seiner Freundin Alejandra aus Temuco, Padre Ernesto und natürlich den äußerst nervösen Felipe.

Zum Glück hatte ich einen Anzug und eine ordentlich festliche Krawatte dabei, denn die Gäste waren gestriegelt und hatten ihre beste Robe an. Antonia kam sich in ihrem eher legeren Sommerrock, dann doch etwas underdressed vor.

Die Trauliturgie war schlicht und mit hohem Tempo dafür umso herzlicher von Padre Ernesto gestaltet. Ja jetzt sind die zwei Mann und Frau. Oder um die zentrale Stelle ihres Hochzeitsevangeliums zu zitieren: „… und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ Mk 10,8

Danach Gratulationsrunde im Innenhof der Schule: Brautkuss hier, eine feste Umarmung mit dem Bräutigam da. Weitere Bekannte aus Linares riefen sich uns herzlich bei der Begrüßung in Erinnerung. Nach den obligatorischen Brautleutefotos ratterte das Hochzeitsauto mit den weit verbreiteten Cola- und Bierdosen im Schlepptau davon. Wir führen unter Führung der ortskundigen Bel im Auto hinterher. Die Fahrt führt uns aufs Land in eine Gaststätte mit riesigem Außenbereich, Swimming-Pool, Restaurant- und Discobereich. Schnell füllte sich die Terrasse mit den Gästen und auch das Brautpaar erschien zum Sektempfang. Hier hielt der Brautvater eine sehr prägnante Rede, die Brautleute begrüßten ihre Gäste freudig und mit einigen Späßen. Und dann erfolgte eine total vereinzelte Geschenkübergabe. Das waren wir. Die Geschenke des CHAK und unseres, ein Glückwunschbuch und einen Gutschein waren die einzigen Gaben, die die Brautleute jetzt bekamen. Merke: In Chile bringt man die Geschenke vor der Trauung in Haus der Brautmutter. Soweit der Part interkulturelles Lernen.

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Zum Glück ging dann gewohnt weiter. Stehempfang mit Häppchen. Pisco Sour, Mango Sour, Veina oder Saft. Doch dieser Teil fand schon auf der Tanzfläche statt, es war sehr frisch geworden und die Damen waren doch eher sehr leicht gekleidet und die Gazeschals gaben nicht genügend warm. Hier wurde schon klar, die Lokalität war bestens gewählt, der Service aufmerksam, schnell und dennoch sehr angenehm. Zwei Kameraleute und eine Fotografin dokumentierten das Treiben und ein Moderator gab lautstark die Anweisungen. Also begaben wir uns an den Tisch sieben, dem Kolpingtisch. Tolles Essen und ein guter Wein sorgten für bestes Wohlbefinden. Auch das grundständige Eis für alle sowie ein super dekoriertes Nachtischbuffet kamen Bestens an. Aber dann befolgten doch fast alle der ca. 150 Gäste den Aufruf zum Tanz. Und jetzt ging es richtig ab. Tanz die ganze Nacht. Zum Teil animiert bewegten sich alle zu heißen Latino-Rythmen. Lediglich Einlagen wie eine Fotopräsentation, das Brautstraußwerfen, eine Strumpfbandaktion zwischen Braut und Bräutigam, eine weitere uns sich nicht ganz erschließende Aktion des Bräutigam ähnlich dem Brautstraußwerfen und natürlich der Anschnitt der Hochzeitstorte um 2:00 Uhr unterbrachen den kollektiven Tanz bei reichlich Flüssigkeitszufuhr von der Bar.

Es war ein tolles Fest und schließlich hatten wir ein längeres dreisprachiges Gespräch mit dem Bräutigamsvater, dessen Großvater in den 30er Jahren d.l. Jh. aus Hamburg nach Chile gekommen war. Señor Lengerich erzählte uns viel aus seiner Familie in recht gutem Deutsch gespickt mit englischen Vokabeln und auch immer wieder in Spanisch. Nachdem er uns drei seiner insgesamt sechs Kinder vorgestellt hatte, begann eine Art karnevalistisches Treiben auf der Tanzfläche. Wir beschlossen dann auf dem Höhepunkt des Festes nach Hause zu fahren. Eine unvergessliche Nacht ging gegen vier Uhr zu Ende.

Muchas Gracias an die Brautleute Pete y Felipe für die Einladung.

 

13.03.2011   Markus Essig

Wieder daheim in Deutschland…

Gestern früh hieß es dann für den ersten Teil der Gruppe Abschied von Chile zu nehmen. Zum Flughafen brachen wir noch zu acht auf, von dort aus machten sich dann die “Ketscher” auf den Weg nach Norden, während Ortrud, Matthias, Berthold und ich uns im Terminal für internationale Flüge eincheckten. Nach ungefähr drei Versuchen klappte das dann auch und so konnten wir nach einem gemeinsamen Kaffee den Flug nach Sao Paolo antreten.

Dort lernten wir dann die hinterletzten Winkel des Flughafens kennen, aber da wir Zeit hatten, tat uns dieser kleine Spaziergang eher gut. Mit einer Stunde Verspätung brachen wir dann um halb 12 Ortszeit nach Europa auf.

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Der Flug war insgesamt recht ruhig - nur über den Kapverdischen Inseln und über den Pyrenäen könnten sie die Luftstraße mal noch teeren :-)

 

Und so setzten wir um 14:30 nach traumhaftem Landeanflug auf Frankfurt wieder auf deutschem Boden auf.

Für uns vier geht das “Abenteuer Chile 2011″ zu Ende- aber wir werden noch ein paar Tage von hier aus (vielleicht in einer Kaffeepause im Büro?) im Blog verfolgen, was der Rest der Truppe noch erlebt… 

 

Und nach einer Dusche und einem warmen Abendessen ist es jetzt höchste Zeit, die Beine hochzulegen… ;-)

 12.03.2011   Juliane Kautzsch

Noch ein Hinweis:
Wegen des Wassermangels in Chile (leere Stauseeen) und der damit verbundenen Elektrizitätsprobleme wird die Uhr erst nächsten Monat Woche um eine Stunde vorgestellt!!!

 

 

Die gemeinsamen Tage gehen zu Ende – Unterwegs in Chile und nach Hause

Das letzte gemeinsame Frühstück steht an. Es nicht im ‚comedor‘ im 1. Piso (EG) gerichtet, sondern steht im 3. Piso (2.OG) bereit. Wir benutzen als eine der ersten Gruppen den neu sanierten Tagungsraum hier oben. Dieses Stockwerk, das bisher nur aus einer zugigen einfachen Holzverschalung bestand, wurde beim Erdbeben so stark beschädigt, dass es grundlegend saniert werden musste. Es präsentiert sich nun freundlich hell, Isolierglasscheiben sind eingebaut und eine Isolation wurde in die neuen Wandelemente eingebracht. Auch die sanitären Anlagen wurden auf einen sehr guten Standard gebracht. Hier wird in Zukunft im Winter ohne dicke Jacken und lange Unterhosen getagt werden können.

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Wir frühstücken zusammen mit Juan Carlos und Oligario. Innerhalb einer guten Stunde tragen wir unsere Eindrücke und Erlebnisse in einer ‚Evalutation‘ zusammen. Wir spüren gemeinsam wie stark die Eindrücke der zurückliegenden zwei Wochen sind, wie sehr uns Chile und seine Menschen, die Kolpingschwestern und -brüder ans Herz gewachsen sind. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Erlebnisse gesetzt haben und verarbeitet sind. Großen Dank empfinden wir für die vielen bewegenden Begegungen, das gute, facettenreiche und reichhaltige Essen, das Gefühl, dass die Menschen ihre Türen für uns geöffnet haben, dass sie ihre Ängste und ihre Hoffnungen, ihre Lebensfreude (Tigi Tigi Ti …), ihre Herzlichkeit und Freundschaft und ihren Glauben uns eröffnet und mit uns geteilt haben. Besonders die materiellen und psychischen Folgen des Erdbebens haben uns tief berührt. Mit der Nachricht vom schweren Seebeben und dem verheerenden Tsunami vor Japan reißen bei den Chilenen aber auch bei uns die Eindrücke und Erfahrungen wieder auf.

Die Partnerschaft hat viele Gesichter bekommen und wir haben einen guten Teil der Kolpingmitglieder kennen gelernt, die im Oktober nach Rom und dann zu uns in den Diözesanverband kommen. Wir freuen uns sehr, auch unsere Türen zu öffnen und bis dahin von unseren Erlebnissen in unserer Heimat zur erzählen. Auch werden wir bezeugen, wie gut, vielfältig und notwendig wir das Kolping-Engagement hier auf der Ebene der Kolpingsfamilien, der diözesanen Gemeinschaften mit ihren Leitungsgremien, dem Nationalvorstand und –büro, in den Bildungszentren des Kolping Bildungswerkes (Capacitation) und nicht zuletzt in den Kolping-Hostales erlebt haben.

Mit kleinen Geschenken bringen wir den großen Dank an Juan-Carlos als Hauptorganisator und Oligario als aufmerksamen und herzlichen Begleiter zum Ausdruck. Die Gewissheit sich schon in diesem Jahr oder mit der Hilfe Gottes irgendwann wiederzusehen tröstet uns über die Erfahrung des Abschieds hinweg.

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Wüste, Region Maule und Heimflug

Auch wir als Gruppe trennen uns. Ein besonderer Dank gilt Antonia und Juliane für ihre hilfreichen Übersetzungen und Vokabelauskünfte zu fast jeder Zeit. Es heißt nun ‚que te vaya bien‘ zu sagen: ‚Lass es dir gut gehen!‘: Den vier Ketschern für ihre Reise in die Atacama, die trockenste Wüste der Welt, den Vier die zur selben Zeit und vom gleichen Flughafen die Heimreise antreten. Und Antonia und mir, die nach Linares in der Region Maule weiter ziehen.

 

Und schon rauschen die Transfertaxis heran. Die einen fahren zum Flughafen, die anderen zum ‚Terminal de Buses‘. Juan Carlos kann leider nicht mit kommen, denn sein Dienstwagen wurde in der Nacht als wir Essen waren, aufgebrochen und er muss sich jetzt um die Versicherungsangelegenheiten und die Reparatur kümmern. ‚Man weiß in Chile nie, was am nächsten Tag los ist.‘ sagt er mit einem Schmunzel zu diesem unliebsamen Vorfall und rauscht ebenso davon.

Das ist das Ende des offiziellen Blogs unserer Reise.

Wir werden aber über die Erlebnisse der Ketscher und der zwei Essig’s weiter aber wahrscheinlich nicht täglich berichten.

Neues aus San Pedo

Die erste Nachricht aus San Pedro von den Ketschern. Nach ruhigem Flug aber einem äußerst turbulentem Anflug nach Calama sind sie im Angesicht der 6000der Vulkane gut in San Pedro de Atacama angekommen.

Neues aus Linares

Auch Antonia und ich haben Linares gut erreicht. Gerade war ich mit einer Architektin im Casa Kolping, wo der weitere Umbau besprochen wurde. Die Kolpingsfamilien haben heute einen großen Berg Schutt und Altholz zusammengetragen. Das Gelände sieht jetzt richtig sauber aus.

11. März 2011-03-11         Markus Essig

In, über und unter der Metropole: Unterwegs in Santiago

Heute verschlafen wir den Tagesanbruch in der auch heute Nacht sommerlich warmen Metropole. Denn wir schlafen das Erste mal aus. Frühstück ist erst um 9:00 Uhr.

Nachdem die Flugreservierungen für die vier Zurückfliegenden – Berthold, Juliane, Matthias und Ortrud, am Freitag gecheckt sind und die Check in Tickets für den Flug von Dieter, Helga, Herbert und Irene online ausgedruckt sind, starten wir in die Metropole.

Unter und über Santiago

Zu Fuß und mit der neuen flüsterleisen Metro erreichen wir geführt von Juan Carlos die Talstation der Standseilbahn auf den Cerro San Cristóbal, den Hausberg der Santiaguinos. Ihn krönt eine rissige Marienstatue, die 1908 errichtet wurde und an die unbefleckte Empfängnis Mariens erinnert. Mit der quietschenden und knarrenden Bahn schaffen wir den Aufstieg sehr bequem, nur wenige Treppenstufen sind es dann noch bis zur Statue, von der sich ein toller Blick auf die Millionenmetropole öffnet. Die Sicht reicht nicht sehr weit, da eine riesige Dunstglocke über der Stadt hängt. Doch wir erkennen die Lage des Casa Kolping ebenso wie die der Moneda, der Estacion Central und natürlich die des kleinen Berg‘s mitten in der Stadt: Den Cerro San Lucia.

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Hier oben haben wir nicht nur einen guten Überblick, ein wenig werden wir auch gefangen von der besinnlichen Atmosphäre dieses Berges. Es läuft geistliche Musik und die Menschen sind viel ruhiger als in der weit unten liegenden hastigen und quirligen Stadt. Auf Schritt und Tritt werden wir mit den Heiligen des Landes der Theresa de los Andes und dem Jesuiten Padre Albereto Hurtado sowie der Seligen Laura Vicuña.

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Schließlich geht es knatternd mit der Standseilbahn wieder 284 Höhenmeter hinab. Zurück an der Metrostation trifft Oligario auf und, der jetzt die Führung übernimmt. Es geht in die Stadt Mitte zu ‚U de Chile‘, das U steht für Universidad. Dort stürmen wir wie viele andere Hauptstädter in das Domino, ein Art chilenisches ‚Subway‘, das in mindestens zwölf Variationen die berühmten Completos anbietet. Wir entscheiden uns für die Variante ‚italiano‘: Aufgebackenes Baguette-Brötchen mit einem Frankfurter-Würstchen, Avocadocreme, Majonaise  und gehackten Tomaten gefüllt. Dazu je nach Geschmack Ketchup, Senf, Salz und Pfeffer und dann reinbeißen und aufpassen, dass Nichts daneben geht. Der Blick auf den Boden zeigt, dass das auch den ‚Einheimischen‘ nicht immer gelingt.

In Santiago

Gestärkt teilen wir uns auf. Der eine Teil strebt dem Süden zu in Richtung Cerro San Lucia.

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Gegenüber dem schön gestalteten Berg liegt die eine ‚Feria‘ ein fest installierter Markt, in dem kunsthandwerkliche Produkte aus Wolle, Edelsteinen, Kupfer, Holz und sonstigem Material aus dem ganzen Land erhältlich ist. Die Post musste noch gefunden werden, um noch die letzten Postkarten nicht mit EAN-Code sondern mit echten und hübsch designten Briefmarken nach Hause zu schicken. Auch ein ‚bicolor helado‘, ein Eis aus zwei Sorten wird unterwegs geschleckt. Und die Füße tragen uns alle durch die Quadras der aufgeheizten Stadt.

Ich selber erfülle mir einen lang ersehnten Wunsch und kaufe mir einen Sombrero Huaso, den typisch chilenischen Hut. Schon der Eintritt in das Geschäft ist ein Erlebnis. Das ‚Donde Golepa El Monito‘ stammt aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, ist holzgetäfelt und beherbergt bis unter die über vier Meter hohe Decke tolle Hutschachteln. Der Jefe fragt nach meiner Hutgröße. Da ich sie nicht weiß, misst er sie. Holt riesige Hutschachteln aus den Stapeln und schon der zweite Hut passt. Aber nicht ganz genau. Mit einem an einen Folterautomat erinnernden Gerät misst er die genaue Form meines Kopfes aus. Aus Paris ist es und ist mehr als achtzig Jahre alt. Mit der abgenommenen Form bringt der ‚Maestro‘ den Hut unter Dampf gekonnt in Form. Jetzt passt er perfekt. Ich bin begeistert.

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Wir streifen weiter durch die Stadt und machen tolle Entdeckungen. Da gibt es ganze Passagen, wo es nur Schneidereiwaren oder Papierwaren oder nur Friseursalons gibt. Aber nicht nur fünf sondern sichern fast 50 gibt. Der Besuch eines Buchladens und eines Cafe’s rundete den Stadtgang ab.

Um 19:00 Uhr treffen wir uns im Casa Kolping an der Ecke Moneda / Cumming, um kurz darauf in das Restaurant ‚Juan y medio‘ zum Essen zu gehen.

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Es heißt so wegen seines Besitzers, dessen Größe und Umfang die Leute veranlassten Juan als eineinhalb Portionen zu bezeichnen. Entsprechend sind die Portionen. Fleisch in allen Variationen ‚muchissimo‘.

Zum Essen kam José Miguel dazu, den die Kolpingsfamilie Ketsch von 2007 bis 2009 mit einer Ausbildungspartnerschaft unterstützt haben. Er konnte damit, obwohl er aus ärmsten und schwierigen familiären Verhältnissen stammte, ein Studium als Informatikingenieur absolvieren. Heute arbeitet er in einem Projekt seiner Universität. Mit dem erarbeitet Geld will er noch ein Masterstudium draufsatteln. Wir sind beeindruckt von seinem Weg und seiner feinen Art. José ist ein tolles Beispiel, wie jemand mit gezielter Unterstützung seinen Weg machen kann. José ist auch engagierter Mitarbeiter im Partnerschaftsarbeitskreis der Kolpingjugend Chile.

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Der Abend klingt im Casa Kolping zusammen mit Monika – Bell und Oligario im Innenhof bei hochsommerlichen Verhältnissen aus. Ich muss noch das Tagebuch schreiben während die andern alle möglichen Späße machen. Aber ich amüsiere mich auch. So jetzt ist aber fertig – listo, wie der Chilene und die Chilenin sagt.

 

10. März 2011         Markus Essig

Im Schlaf nach Santiago

In Santiago ist der Tag noch nicht so ganz angebrochen. Es ist noch dunkel, dennoch sind die ersten Menschen bereits auf dem Weg zur Arbeit, auch einige Schüler warten auf ihre Busse. Mein Tag beginnt damit, dass mich der „auxiliar“, also sozusagen der Schaffner im Bus, an der Schulter schüttelt und mir mit einem „buenos dias“ zwei Plastikschachteln hinstreckt: Das Frühstück für Ortrud und mich. Wahrscheinlich hatte er beschlossen, mich aufzuwecken, da er sich mit mir im Zweifel verständigen könnte. Oder weil Ortrud zu fest geschlafen hat. Ich weiß es nicht. Ich beschließe, dass unser „Frühstück“, ein Doppelkecks und süßer Pfirsichsaft, noch etwas Zeit hat und döse ein bisschen weiter. Unser Bus, übrigens ein „salon ejecutivo“, also ein Bus, dessen Sitze bis fast in die Horizontale zurückklappbar sind, fährt von der Autobahn ab und zeigt uns „by the way“ noch etwas von Santiago: Wir fahren durch „Las Condes“, eines der besten Viertel Santiagos, bevor wir dann in „Estacion Central“ ankommen. Hier sehen wir deutlich die Unterschiede zwischen den Vierteln und es zeigt sich deutlich die Segregation in Santiago: Es gibt „gute“ Viertel und „weniger gute Viertel“- die Angabe des Wohnortes reicht oft schon, um in eine soziale Schicht eingeordnet zu werden…

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Valparaiso – Hafenstadt mit Flair

Nach kurzer Dusche und Frühstück im Kolpinghaus Santiago machen wir uns wieder auf den Weg: wir krabbeln „wie die Ameisen“ zu zwölft in einen 12-Sitzer, der uns in einer guten Stunde ins nur 100 km entfernte Valparaiso bringt. Wieder einmal staunen wir über diese praktische Anwendung der Relativitätstheorie: in einem 4000km langen Land ist „100 km“ wirklich gleich ums Eck.

Nach kurzen touristischen Zwischenstopps in der Stadt besuchen wir die Aschermittwochsmesse in Valparaiso. Zwar hat die Orgel –wahrscheinlich aufgrund des „liturgischen Anlasses“- auf „Kaugummi-Modus“ umgeschaltet, doch der Gottesdienst ist schön und stimmt uns auf die Fastenzeit ein.

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Anschließend besuchen wir das Kolping-Hotel in Valparaiso, das derzeit von den Erdbebenschäden restauriert wird. Claudio, ein Grafikdesigner, der bereits viel für Kolping gearbeitet hat und nun für die Renovierung des Hauses zuständig ist, stellt uns das Haus und sein Konzept des Wiederaufbaus vor: Durch das Erdbeben wurden die aus Adobe erbauten Teile des Hauses beschädigt, so dass man sie entfernen musste. Darunter kam jedoch eine gut erhaltene, schöne und aus edlen Hölzern gearbeitete Fachwerkkonstruktion zu Tage. Diese prägt nun das renovierte Haus. Hell gestrichene Wände, Fenster im Gang und fröhlich-kräftige Farben sollen die Stimmung der Stadt Valparaiso einfangen und ins Haus transportieren und gleichzeitig ein angenehmes Ambiente schaffen. Die Möbel sollen aus recyceltem Holz hergestellt werden. Claudio zeigt uns einen ersten Nachtschrank und stellt uns später auch den Handwerker vor, der das Holzinventar herstellt. Obwohl dem Haus noch die Fertigstellung fehlt, spüren wir bereits die angenehme Atmosphäre und sind begeistert von dem hier entstandenen neuen Konzept. Die ersten Teilnehmerinnen unserer Reisegruppe reservieren auch gleich schon mal ein Zimmer für die Feier ihrer goldenen Hochzeit.

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Die nächste Herausforderung erwartet uns bzw. den Kellner des Restaurants dann beim Mittagessen: Ein „Bausteinmenu“. Zu wählen gibt es zunächst zwischen Suppe und Salat zur Vorspeise, dann den Hauptgang: Hühnchen oder Fleisch, wobei es nur noch 4 Hühnchen gibt, und dann muss dieser Wahl noch die Entscheidung zwischen den Beilagen Reis, Kartoffelbrei oder Salat beigefügt werden. Um die ganze Sache noch etwas zu verkomplizieren, haben wir noch vegetarische Sonderwünsche - schlussendlich werden wir aber mit einem lecken Essen bedacht und außer einer Suppe zu viel hat alles geklappt.

 

Auch am letzten Ort: ‘Noch ne Tort‘

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Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Station, der Kolpingsfamilie in La Calera. Dieser Besuch ist der letzte Besuch bei einer Kolpingsfamilie auf unserer Reise. Und um diesem Ereignis alle Ehre zu erweisen, bewahrheitete sich die von Dieter geprägte Weisheit: „An jedem Orte wartet eine Torte“, in diesem Fall eine Fast-und Abstinenztagstorte. Doch nicht nur eine leckere Manjar-Torte erwartete uns, sondern auch sehr lebhafte, und trotz unserer 1,5-Stündigen Verspätung gut aufgelegte Kolpinggeschwister. So nahmen wir nach der Besichtigung des in Schwarz-Orange geschmückten Hauses alle am Tisch Platz und hatten bei Kaffee und Tee, Torte und Käsebroten unseren Spaß miteinander. Da wurde etwa mit Händen und Füßen erklärt, dass auf dem Foto Zwillinge zu sehen sind oder welche Aktivitäten wo stattfinden. Auch Vertreter der Kolpingjugend waren da, so dass Antonia und ich noch etwas über die Arbeit der Jugend erfuhren, etwa dass auch in La Calera seit 2009 „rondas populares“ stattfinden. Vor der Abfahrt wurde dann noch entdeckt, wer heute Geburtstag hatte, so dass sich ein bilinguales Ständchen anschloss. Die ausgelassene Stimmung lässt sich kaum in Worte fassen- es war einfach gigantisch und ein schöner Abschluss der Reise.

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Und so wird es nun Abend: Die Hitze des Tages ist verflogen und die Berge zeigen in der Abendsonne ein schönes, sanftes Panorama. Wir machen uns auf den Rückweg nach Santiago und freuen uns auf den letzten Tag, den wir morgen noch in Santiago vor uns haben…

9. März 2011          Juliane Kautzsch

Rote Rosen am Morgen

Der heutige Tag begann mit einem Gottesdienst den Padre Walter um 8 Uhr hielt. Der Blick aus dem Fenster sagte alles. Es wird Herbst. Alles ist im Nebel verschwunden, kein Blick auf den Vulkan Villarrica. Es ist ziemlich frisch.

Nach dem Frühstück ist Aufbruchstimmung. es hieß Koffer packen und die nächstern Geschenke/regalos sortieren.

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Juan Carlos begrüßte jede Frau mit einer wunderschönen dunkelroten Rose; heute ist internationaler Weltfrauentag.

Einkaufen bei Kolping: Vier Werkstätten besucht

  • Wir besuchten die Holzwerkstatt von Familie Mora. Die ersten kleinen Geschenke wurden eingekauft. Kämme, Haarspangen aus dem rötlichen Holz „Rauli“

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  • Wunderbare Holzbretter kauften wir bei Juan Carlos. In seinem Ausstellungs- und Verkaufsraum gab es Spiele, Kleinmöbel usw. Seine Frau zeigte uns ihre selbstgestrickten Ponchos und Pullis aus Schafswolle.  Danach besichtigten wir das Haus Wohnhaus der Familie. Alles aus Holz super eingerichtet ein Wahnsinnsstandard. Wir waren beeindruckt.
  • Dritte Station war die Werkstatt von Balthasar. Er betreibt eine Drechslerei. Seine Frau Maria Elisa backte extra für uns Sopaipillas mit Pepre.img_1416-kl.jpg

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  • Zum Schluss kamen wir zu Ernesto y Patricia. Ernesto zeigte uns wie aus dem Holzstück eine dreigeteilte Schale wird. Sein kleiner Neffe Vincente sagte „Meister sagt, pass auf deine Finger auf“ und versuchte sich an einem kleinen Holzstück. Dann endlich konnten wir einkaufen. Was wir bei den schönen „Artesanias en madera“ auch machten.

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Nächster Stopp en ‚el banco‘, um den Geldbeutel wieder aufzufüllen. 

Kolping Padre las casas

Am Nachmittag fuhren wir nach Temuco. Im Bildungszentrum begrüßte uns Don José. In einer Präsentation erklärte er uns, dass sie regelmäßige Kurse für Jugendliche halten die sonst keine Chance auf Ausbildung hätten.

Kolping bietet sehr viele Kurse an auch für alleinerziehender Mütter, Kleinstunternehmer, Qualifikationen für Arbeiter ohne Ausbildung, Fortbildung für Jugendliche. Sie bekommen dann ein Zertifikat und haben somit eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt.

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Für die Ausbildung bezahlen die Schüler nichts. Sie erhalten sogar Fahrgeld und werden verpflegt, so dass wirklich jeder die Möglichkeit hat eine Ausbildung zu erhalten.

Wir besichtigten das große Gelände des Ausbildungszentrum. Schäden des Erdbebens waren vereinzelt noch zu sehen. Das Dach war  ganz beschädigt und somit auch die oberen Schulungsräume. Der Computerraum wurde vollkommen erneuert. Die Schäden wurden auch durch die Unterstützung der Kolpingsfamilien aus Diözese Freiburg.

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Schließlich gemeinsames Abendessen in einen recht nobelen Restaurant.

Abschied von Fernando und Washington. Es gab ganz viel Emotionen.

Um 23:15 Uhr in Den Nachtbus nach Santiago eingestiegen. Geplante Ankunft in Santiago um 7:30 Uhr.

8. März 2011          Irene und Herbert Burkard

Die orange Welle schwappt über